Die Bundeswehr hat den Kampf gegen die Piraten aufgenommen. Auch die Fregatte "Rheinland Pfalz" kreuzt in der Golfregion. Eigentlich dient sie der Abwehr von U-Booten und Kampfjets. Für ihren Einsatz gegen Piratenboote ist sie überdimensioniert. Die wichtigste Strategie der Soldaten ist, die Piraten schon durch ihre Präsenz abzuschrecken. Aber auch die Mannschaften der Frachtschiffe können etwas zu ihrer Verteidigung tun.

In Wilhelmshaven finden Sicherheitstrainings für Schiffscrews statt. Der Trainer Ralf Spies zeigt Mannschaften, wie sie sich und das Schiff gegen eine Piratenattacke absichern kann und wie man Seeräuber mit einfachen Mitteln abwehrt, bis die Marine eintrifft.
Zur Basis-Sicherung eines Schiffs zählt, herumliegende Werkzeuge, Metallstangen und Bretter von Deck zu räumen. Sie könnten den Piraten als zusätzliche Waffe dienen. Oder sie könnten damit Fenster einschlagen und Türen aushebeln. Jedem Crewmitglied wird eine Aufgabe fest zugeteilt. Wer kontrolliert, dass alle Außenbord-Leitern hochgezogen und gesichert sind? Wer ist für den Alarm zuständig? Wer übernimmt den Beobachtungsposten? Viele entführte Schiffe hatten keinen Ausguck aufgestellt, obwohl Radar die kleinen Piratenboote nur selten erfasst. Ein geschultes Auge entdeckt die Boote weit früher.
Das Einsatzgebiet der rund 24 internationalen Kriegsschiffe in den Gewässern vor Afrika umfasst rund vier Millionen Quadratkilometer und ist damit etwa achtmal so groß wie die Bundesrepublik. Das Kerngebiet erstreckt sich vom Golf von Aden im Norden bis nach Tansania im Süden. Immer mehr Piraten dehnen daher ihr Angriffsgebiet aus. Im Süden reicht es fast bis Madagaskar und im Osten bis an die Seychellen heran.

Bevor sich ein Frachtschiff den Piratengewässern nähert, kann die Crew es mit einfachen Mitteln aufrüsten. Zum Beispiel sollte unter jedem Treppenaufgang NATO-Stacheldraht bereit liegen, um ihn im Ernstfall schnell hochzuziehen, empfiehlt der Experte Ralf Spies: "Sinn und Zweck ist es, eine Reaktion zu erzeugen: Die Angreifer müssen erst mal umdenken. Dann hat man schon wieder etwas Zeit gewonnen." Immer wieder übt die Crew in Wilhelmshaven, die Piraten-Darsteller davon abzuhalten, an Deck zu gelangen. Ihre stärkste Waffe ist der Löschwasserschlauch: Unter Hochdruck hat er die Kraft eines Wasserwerfers.

Sollten dennoch bewaffnete Piraten an Deck gelangt sein, empfiehlt der Trainer: Die Crew solle nicht den Helden spielen, sondern schnell zur Brücke laufen. Die Piraten sollen möglichst lange davon abgehalten werden, die Kommando-Brücke zu entern. Der Letzte zieht den Stacheldraht hinter sich hoch, und die Mannschaft verbarrikadiert sich in der Kommandozentrale und wartet, bis Hilfe kommt. Wenn das Schiff per Funk einen Piratenangriff und die Schiffsposition gemeldet hat, können 20 bis 30 Minuten können vergehen, bis die Marine innerhalb der Schutzgewässer zur Hilfe eilt.
Sobald auf der Fregatte "Rheinland Pfalz" ein Piratenalarm eingeht, schickt sie ihre beiden Kampfhelikopter vom Typ Sea Lynx voraus. Die Helikopter bringen eine Eliteeinheit zum Frachter, die sich in wenigen Sekunden aus zehn Metern Höhe auf jedes Schiff abseilen kann. Die Truppe ist darauf spezialisiert, bewaffnete Gegner an Bord eines Schiffs zu stellen und zu verhaften.