In der Provinz Alberta, in Westkanada, liegt der wohl größte künstliche Giftsee der Welt, und Tag für Tag wird er ein bisschen größer. Der See dient sozusagen als riesige Giftmüllhalde für den toxischen Schlamm, der bei der Herstellung von Öl aus Ölsand entsteht. Wie diese Giftbrühe jemals entsorgt werden soll, weiß niemand. Und es gibt nicht nur einen dieser Seen.
Die Förderung und weitere Bearbeitung des Ölsands ist nicht nur energie- und arbeitsaufwändig: Neben dem ungeheuren CO2-Ausstoß der Anlagen, fallen auch Unmengen von giftigem Rückständen an, die nicht mehr in den Athabasca River zurückgeleitet werden können. Man schätzt, dass bei der Produktion eines Barrels Öl auch bis zu einer halben Tonne so genannten "Abraums" aus Wasser, Sand und Bitumen entsteht. Zu diesem Zweck wurden "Rückhalte- oder Absetzanlagen", so genannte "Tailing Ponds", gebaut, in welche die Giftbrühe eingeleitet wird.

Diese "schwarzen Seen" haben mittlerweile ungeheure Ausmaße angenommen. Der vermutlich größte künstliche Giftsee der Welt ist der "Syncrude Mildred Lake" in der Nähe von Fort McMurray. In ihm landen Unmengen der mit krebserregenden Kohlenwasserstoffen, Quecksilber, Kadmium und Arsen verseuchten Schlammreste. Rund 250 Millionen Liter Giftmüll werden täglich in solche Becken eingeleitet. Der "Syncrude Tailings"-Damm, der eigens rund um diesen Giftsee errichtet wurde, ist - gemessen am Dammvolumen - der größte Staudamm der Erde.


Jennifer Grant, vom renommierten "Pembina Institut" aus Calgary, sieht in diesen Abwasserbecken ein erhebliches Gefahrenpotenzial für die Umwelt. Die Becken seien bekannt dafür, dass sie lecken und dadurch das Grundwasser und den Athabasca verseuchen. Fachleute schätzen, dass täglich zwölf Millionen Liter der Giftbrühe ins Grundwasser und in den Fluss sickern.
Absetzbecken zur Endlagerung giftigen Abraums werden nicht nur bei der Ölsandproduktion eingesetzt. Bei fast jeder Art von Bergbau werden kleinere oder größere solcher Becken angelegt, um den bei der Produktion anfallenden giftigen Abfall sozusagen in der Landschaft zu "verklappen". Auch beim Goldabbau in einigen Entwicklungsländern werden zigtausende Tonnen hochgiftiger Schlämme in solche Absetzbecken eingeleitet. Sie sind mit Schwermetallen wie Blei, Kadmium, Kupfer, Quecksilber und Giften wie Arsen und Natriumzyanid belastet. Wenn die Minen erschöpft sind, bleibt die toxische Brühe einfach zurück. Es ist nicht auszuschließen, dass die Giftstoffe dann früher oder später in die Umwelt gelangen.
Beim Uranabbau, wie er beispielsweise in Kanada, Russland oder Australien stattfindet, werden Absetzbecken genutzt, um darin den strahlenden Restschlamm zu deponieren. In Australien ist es schon häufiger vorgekommen, dass das Becken der Uranmine "Ranger Mine" überläuft, wenn gerade Regenzeit ist. Die gut dokumentierten Fälle von Leckagen bei dieser Mine, sind kaum noch zu zählen.

Wegen der Gefahren für Mensch und Natur wird in Deutschland seit 1990 kein Uran mehr abgebaut. Stattdessen kommt das Uran für deutsche Kraftwerke nun unter anderem aus Russland, genauer gesagt aus Krasnokamensk, in der Nähe der chinesischen Grenze. Auch dort wird der beim Abbau entstehende strahlende Schlamm in Absetzbecken oder direkt in der Natur entsorgt. Die Krebsrate in der Bevölkerung der näheren Umgebung ist erschreckend hoch.

Scheinbar kommt es überall dort auf der Welt zu überdurchschnittlich vielen Krebserkrankungen in der Bevölkerung, wo in umliegenden Gebieten Ölsand, Gold oder Uran abgebaut wird. Von offizieller Seite wird diese Tatsache häufig entweder ignoriert oder ein Zusammenhang mit dem Abbau bestritten. Wenn Studien einen Zusammenhang herstellen, werden von offizieller Seite anderslautende Studienergebnisse veröffentlicht.
Für die "Tailing Ponds" in Kanadas Westen fordern Umweltexperten seit Jahren Lösungsvorschläge, wie der Giftschlamm entsorgt werden soll. Doch sie bleiben ungehört, und die Gefahr für Mensch und Natur bleibt bestehen. Im Frühjahr 2008 landeten rund 500 Enten im "Mildred Lake Settlin Bassin". Die meisten konnten nicht gerettet werden und verendeten qualvoll. Indes häufen sich die Krebsfälle in einem Indianerdorf am Athabasca River rund 250 Kilometer nördlich von McMurray. Ein Zufall?