Mit dem Anstieg der Bevölkerungszahl, steigt weltweit auch das Aufkommen an Müll. Viele wertvolle Rohstoffe landen Tag für Tag auf großen Deponien. Der Architekt Mike Reynolds sammelt diese Rohstoffe und baut mit ihnen ganze Häuser.
Sie stehen in der Hochebene von New Mexiko und sehen aus wie Ufos. "Earthships" nennt der Architekt seine Bauwerke - Häuser die überwiegend aus recyceltem Material gebaut werden. Gut 60 Earthships hat Reynolds in seiner kleinen "Testgemeinde" nahe der Stadt Taos schon gebaut. Jedes ganz individuell gestaltet. Und noch immer kontrolliert er fast jeden Arbeitschritt.


Um genügend Baumaterial für seine Häuser zu bekommen, ist er ständig auf der Jagd nach alten Rohstoffen. So klappert der 64-Jährige auch heute noch regelmäßig sämtliche Schrottplätze und Recyclinghöfe in der Umgebung von Taos ab. Verbaut wird fast alles, was sich finden lässt. Autoreifen zum Beispiel dienen dem genialen Baumeister als Außenmauern. Gefüllt mit Sand taugen sie hervorragend zur Wärmedämmung. Durch ihre Masse speichern sie im Winter Wärme und halten im Sommer kühl. Bis zu 5000 alte Reifen verbaut Reynolds in einem Haus. Doch nicht nur Reifen, auch weggeworfene Wein-, Whiskey- oder Wasserflaschen werden verbaut. Sie dienen zusammen mit alten Dosen als idealer Dämmstoff.

Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Leben und Bauen - das sind Reynolds Prinzipien. Auch in Sachen CO2-Ersparnis sind seine "Earthships" ein Vorbild, denn sie brauchen weder Heizung noch Klimaanlage. Die Häuser wärmen und kühlen sich selbst. Damit möglichst viel Sonnenlicht ins Haus dringt, haben die Zimmer nach Süden große Glasscheiben. Solaranlagen liefern zusätzlich Strom und Heißwasser. Ein weiterer positiver Effekt: Durch die Verwendung alter Rohstoffe werden herkömmliche Baustoffe ersetzt, deren Herstellung und Transport viel Energie verbraucht. Auf diese Art wird ein doppelter Energiespar-Effekt erzielt, und das Bauprojekt startet mit einer positiven CO2-Bilanz.

In nur wenigen Jahren, so hofft Reynolds, sollen möglichst viele Familien mit ihren Kindern in solchen Earthships leben. Die Häuser sind deshalb so gebaut, dass eine vierköpfige Familie quasi ohne jegliche Kosten für Wasser, Strom und im optimalen Fall sogar ohne Ausgaben für Lebensmittel auskommt. Der Strom wird aus der Sonne gewonnen, das Wasser durch den Regen und im hauseigenen Wintergarten, baut jeder Bewohner sein eigenes Gemüse an. Selbstversorgung total also.

Es ist eine Lebensweise, die auch Phil Baseheart begeistert. Er ist in der Wüste heimisch geworden, hat sich ein Earthship nach eigenen Vorstellungen gebaut und eine Familie gegründet. Doch ein Leben als Selbstversorger erfordert auch Kompromissbereitschaft. An bewölkten Tagen muss deshalb schon mal die Wäsche per Hand gewaschen werden, weil der Strom für die Maschine nicht reicht. Gleiches gilt beim Wasserverbrauch. Wenn es lange trocken ist, muss die Familie Wasser sparen.
Doch nicht alle sind von der Idee der recycelten Häuser so begeistert wie Mike Reynolds. Schon einmal entzog ihm die lokale Baubehörde die Lizenz für den Bau seiner Häuser. Die Begründung: Reynolds Häuser entsprechen weder der Form noch dem Standard nach den Normen des Bundesstaates New Mexiko. In einem zweiten Verfahren erkämpfte sich der Architekt seine Lizenz jedoch wieder zurück und baut nun weitere Earthships. Mittlerweile auch für ausländische Kunden.